Montag, 27. Oktober 2014

Heimat für einsame Socken

Wir kennen es alle: Die Wäsche ist gemacht, aber von zwei Socken fehlt der Partner. Vermutlich vom kleinen, gelben Sockenfresser verschlungen oder gar auf jenem Planeten gelandet, der laut Aussage eines Bürokollegen doch tatsächlich nur aus verlorenen Socken besteht.

Joachim Ringelnatz hat einst in einem Gedicht, allerdings Handschuhe betreffend, genau beschrieben, wie man sich in dieser Situation so fühlt:

Fand meinen einen Handschuh wieder

Als ich den einen verlor
warf ich den andern ins Feuer.
Und kam mir wie ein Verarmter vor
Schweinslederne sind so teuer.

Als ich den ersten wiederfand
"Shake hands, du ledernes Luder!
Dein eingeäscherter Bruder
und du und ich - im Dreierverband,
da waren wir reich und mächtig.
Jetzt sind wir niederträchtig."

Nun sind Baumwollsocken nicht so teuer wie Schweinslederne, trotzdem fehlt einem die zweite Hälfte zuweilen schmerzlich. Und man mag ja auch nicht immer originell sein und zwei verschiedene Socken tragen. Deshalb jetzt also die "Heimat für einsame Socken"




So haben die Verlassenen ein Plätzchen, wo sie gottergeben auf ihre besseren Hälften warten können. Wir Sockenbesitzer aber haben einen sicheren Ort für die einsamen Existenzen, wo wir sie, sollte denn Nr. 2 wieder auftauchen, auch wieder finden würden. Sollte das Auftauchen wider Erwarten nicht geschehen, kann man ja Nr. 1 immer noch wegwerfen.
Eine zweifelsohne praktische Einrichtung für alle mehr oder weniger Vergesslichen. 

Voilà, die ersten drei Exemplare:






Schon gemerkt? Ich bereite mich auf die Weihnachtsmärkte vor. Ich fabriziere sinnvolle Weihnachtsgeschenke.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Wenn die Blätter fallen...

... droht schon bald Weihnachten.
Beruflich ist das bei uns schon so, die Adventszeit dräut (was für ein Wort!) manchmal schon vor den Sommerferien. Jene, die für die organisierte Besinnlichkeit des Publikums verantwortlich sind, sollen sich frühzeitig in Weihnachtsguetslistimmung versetzen.

Sobald sich das bei mir eingestellt hat, kommt auch der Gedanke an den Weihnachtsmarkt. Dieses Jahr werden es bei mir sogar 2 sein: Ich bin mit meinen Sachen am 30. November am Engemer Weihnachtsmarkt und am 7. Dezember am Heiligen Bimbam im Plaza in Zürich (vis-à-vis Bezirksgebäude, falls jemand Lust hat). Das heisst, es braucht Material, weihnachtsmarkttaugliche Dinge, eher klein, dafür als Geschenke geeignet und nicht allzu teuer.

Also das Vorhandene durchgepflügt und eine Liste erstellen.




Dieser Stoff hier scheint mir zum Zerschneiden ein wenig zu schade. Leinen, vom Handwebstuhl. Immer wieder sehe ich das, so ein Webstuhl in einem Haushalt war halt nicht sehr breit. Hier zum Beispiel nur gerade 64 cm. Links und rechts eine Webkante. Und wenn es dann als Tischtuch hätte herhalten müssen, dann mussten halt 2 oder sogar 3 Bahnen her. Miteinander fein säuberlich mit kleinsten Stichen vernäht. Man sieht's manchmal kaum von blossem Auge.
Und dann sogar noch Monogramm und Jahreszahl:


Aber er hat Löcher, deshalb als Ganzes, als Tischläufer beispielsweise... Flicken?













Da tut es doch ein Rest Spitzendeckchen aus meiner Sammlung. Das Auftrennen der einzelnen Teile ist zwar relativ mühsam, aber vielleicht lohnt es sich ja.





Neun solcher Teile hab ich gebraucht, denn das Stoffstück hat 9 Flicken, Löcher oder sonstige Schadstellen.




Jedes einzeln mit Heftfaden festgemacht, damit es beim Nähen nicht rutscht.

Und dann los von Rom (pflegte meine Grossmutter zu sagen, wenn wir jetzt endlich gehen sollten...) Ab unter die Nähmaschine.




Rändchen? Einfassung der Webkanten? Noch eine Spitze  am Abschluss? Nein, es reicht. Ist alles perfekt und gut so. 
Tischläufer 64 mal 183 cm. Erhältlich am Weihnachtsmarkt. Demnächst.










Montag, 22. September 2014

Spitzen

Träume sind vielseitig und manchmal wunderbar. Lag ich doch im Halbschlaf, davon träumend, dass in meiner Heimatstadt ganz viele Theater entstanden wären. Es gab sogar Strassen, an denen sich deren mehrere befanden! Kann ja nur ein Traum gewesen  sein. Und ein grosses Theatermuseum, dessen Besucher alle zuerst einmal in die Zeit von Shakespeare versetzt wurden - mittels Kostümen. Spitzen überall!

Heutzutage muss man Spitzen anders verwenden, wenn sie getragen werden sollen. Heutige Klöpplerinnen tun gut daran, ihre Werke gleich als Schmuckstücke zu konzipieren, anders würden sie sie vielleicht nicht verkaufen.





Denn das ist es: Schmuck. (Nein, diese Spitzen sind nicht handgeklöppelt - das kommt aus dem Forster-Rohner-Ausverkauf)

Zu kompliziert für unseren Alltag? Als Schmuck zum Pullover?

Es ist wie Hüte im Alltag, etwas für Mutige.

Und solche, die nicht schweinigeln.

Man will ja nicht, dass so etwas schmutzig wird.

Schon weil einfach in die Waschmaschine schmeissen nicht geht.

Weiss ist deshalb eine risikofreudige Farbe. Und Risiko mag ich nun mal, auch wenn ich mit dieser Maxime in meinem Leben schon oft auf die Schnauze... Meine Schneiderpuppe Frau Stockmann fühlt sich jedenfalls wohl. Hauchdünner Viscosejersey und ein Spitzeneinsatz. Forster Rohner zum Dritten:




Grösse 42, 155.-.


Montag, 25. August 2014

Emmentaler Essigbirnen

Der kühle Sommer wird nahtlos zum Herbst. Man hat kaum hingeschaut, ist der wilde Wein am Lebhag rot und der Kirschbaum verliert seine Blätter. Der Sonnenschirmständer steht ein bisschen verloren im Rasen; man braucht ihn kaum. Und am Spalier reifen die Williamsbirnen.

Das geht jeweils fast zu schnell, man muss aufpassen, dass man sie nicht verpasst. Und von den Wespen gefressen werden.
Grad gross sind sie dieses Jahr nicht geworden, dafür zahlreich. Weil die Insekten im Frühling ganze Arbeit geleistet haben.
Und sie sind unglaublich gut. Als die Kinder noch im Haus waren, hat so eine Ausbeute jeweils nicht lange angehalten; die Früchte waren im Nu gegessen.
Allerdings werden sie leider schnell mehlig, deshalb empfiehlt es sich, die Früchte einzumachen. Birnen kann man sehr delikat in einem Sirup aus Essig, Zucker und Senf in Essigbirnen verwandeln. Gewürzt wird mit Nelken, Pfeffer und einer halben Zimtstange. Zum Einmachen braucht man eher die kleinen Exemplare der Birnen. Sonst passen sie ja nicht in die Gläser. Man stelle sich nur die "Plastikbirnen" aus dem Supermarkt vor!































Die Birnen werden ganz oder halbiert im Sirup weichgekocht, in Gläser abgefüllt und diese bis zum Rand (wichtig!) mit Sirup ergänzt. Gläser gut verschliessen und  das Glas einmal umdrehen, dann auf einer hölzernen Unterlage abkühlen lassen. Kühl und dunkel gelagert halten sich die Birnen ein Jahr. Es macht jedoch Sinn, sie zu essen, denn sie schmecken ausgezeichnet zu Siedfleisch oder Berner Platte....

















Im Fläschchen befindet sich übrigens der Rest Sirup, fast eingedickt vom vielen Kochen. Das kann ich vielleicht mal zu einer Sauce zu Wild oder so verarbeiten.

Freitag, 8. August 2014

Forster und Sommer zum Zweiten

Der Sommer spielt uns übel mit. Planung restlos verunmöglicht. Gestern noch Sonnenschein, heute heiss, morgen Regen. Und sobald es mal nicht regnet, ruft unmissverständlich der Garten, wo übrigens auch ein paar Mäuse hausen, die  es sich zum Sport gemacht haben, die Wurzeln diverser Pflanzen zu fressen. Was zur Folge hat, dass mir beide Zucchettipflanzen eingegangen sind und vorgestern auch noch eine der Gurken. Natürlich jene, mit den meisten jungen Gurken dran. Man sollte es verwinden können aber eben, mein Gärtnerherz blutet...

Das kleine Stück Stoff (Forster) neulich hat mich aber schon inspiriert, so ein dummer Rest, und trotzdem würde es noch für ein Miniröcklein für Nachwuchs Nummer 2 reichen. Ganze 20 wird sie im Winter und ist die schlankste in unserer Familie.


Ja es haben dann natürlich gerade 4 Zentimeter gefehlt! Was für mich niemals der Grund ist, ein Vorhaben aufzugeben. Aus einem Mangel können auch Gestaltungsideen entstehen. Ich würde sogar sagen, bei mir die meisten. Wenn ich wirklich alles, was so in Nähgeschäften und Bastelläden herumliegt, zu meiner Verfügung hätte, ich bin fast sicher, ich hätte nicht eine Idee!


Rechtfertigt auch den hellgrünen Reissverschluss. Das Band übrigens kommt aus einem Vorhangstoff, eine Hälfte der Streifen ist so gemustert.


Und das Label hat sich perfekt eingefügt.
Nachwuchs Nr. 2 hat das Teil nach Berlin mitgenommen und macht für mich Werbung in der deutschen Hauptstadt!







Samstag, 19. Juli 2014

Sommer

Definitiv. Sommer. Heiss sogar - was ja in unseren Breitengraden gar nicht immer selbstverständlich. Und Schulferien: Platz im Zug, freie Parkplätze, Schattenplatz in der Badi.
Schattenseite: Der Bauer mit Heu an Hanglage setzt grad intensivstens den Laubbläser ein, um sein trocken Gras und die Ameislein durcheinander zu wirbeln. Man wünscht ihm ein nächstes Leben als Ameise.


Frühstücken und ausgiebig Zeitung lesen im Garten. Mehr kann man bei 30 Grad da sowieso nicht tun. So einen Platz findet man im Hotel kaum. Der Stuhl mit Mensch und Zeitung wandert dem Schatten nach....







Der Laubbläser hat aufgehört - wunderbare Stille!



Hab mir gedacht, dass ich bei der Hitze sowieso nur drin arbeiten kann. Also ein Kleid fertig gemacht.
Und ein neues angefangen.
Man sollte auch noch den Teewärmer flicken. Jetzt, wo man wieder draussen frühstücken kann, wo jeder Windhauch die Flamme im Stövchen ausbläst und ein solches Teil - aus Erbschaft von meiner Grosstante Alice!- einem gute Dienste leistet, nicht wahr?






Teewärmer - auch so etwas, was vom Aussterben bedroht ist. Respektive nur noch in Brockenhäusern oder bei Haushaltauflösungen zu finden. Dieses spezielle Teil stammt aus Schweizer Strohindustrie; ebendiese Grosstante soll damals im Tessin dafür tätig gewesen sein. Sie hat uns  lauter nette Artikel aus gewobenem Stroh hinterlassen,  wie eben diesen Teewärmer. Aussterbende Spezies, nicht die Tante, die lebt schon lange nicht mehr. nein der Teewärmer; zauberhaft, wird darum von mir mit grossem Arbeitsaufwand alle paar Jahre neu gefüttert. Ist kein Pappenstiel. Stopfmaterial aus Kapok - das gibt's heute glaube ich gar nicht mehr. Im alten Futter Teeflecken von vor vielleicht 100 Jahren. Dannzumal soll die Strohindustrie ein gutes Geschäft gewesen sein, halt solange die Menschen Hüte (und Teewärmer!) brauchten. Heute wird so was vielleicht in Fernost noch hergestellt (von Kindern?). Oder spezialangefertigt für manufactum, unbezahlbar.
Ich freu mich auf mein morgiges Frühstück, mit warmem Tee!



Dienstag, 13. Mai 2014

Ausverkauf bei Forster-Rohner!

So etwas lässt sich natürlich eine Textilverrückte wie ich nicht zweimal sagen. Dort, wo sich der fast letzte Rest der St.Galler Textilbranche nicht mit Ach und Krach, sondern mit Bravour über Wasser hält. Dort wo Prada und Konsorten sonst ihre Stoffe bestellen, da soll ich nun in den Ausverkauf! Schluck - aber natürlich mach ich das.

Fahrt also nach St.Gallen mit Nachwuchs Nr. 2, die das übrig gebliebene Geld zählt, um herauszufinden, wie viel sie den ausgeben kann.

Der Ort empfängt mich erst einmal mit einem Schwall Historie- ich hab halt den Fimmel; Sticker, Weber, , Heim- und Fabrikarbeiter, Ausbeutung und Patrons. Das Haus, in dem meine Grosseltern gewohnt hatten, das Kutscherhaus neben der Villa Wahnsinn, einem gigantischen Teil zuoberst am Rosenberg, gebaut von zwei Textilbrüdern, die beide an eben diesem Bau und an der Wirtschaftskrise zugrunde gingen. Daher der Name! Das ist St. Gallen. Plus noch ein bitzli Kloster und Café Seeger.

Das ist im Fall nur ein Musterblätz


Forster-Rohner befindet sich auf der anderen Seite der Stadt. Nur noch wenige Parkplätze in der Umgebung, kein Wunder. Und jede Menge Frauen. Ebenfalls keines - Wunder, mein ich. Und endlos viele Spitzen. Wir graben uns durch Spitzenkartons. Die Versuchung ist gross. Einkauf von 15 Metern Baumwollspitze für Bettwäsche...



Tische mit Stoffen, zwischen 15 und 400 Franken der Meter. Da werd' ich nicht widerstehen können, aber dafür bin ich ja auch nicht hergekommen. Wenigstens für einen Jupe sollte es langen. Ich lass mir lange Zeit mit aussuchen. Derweil Nachwuchs 2 nochmals das Portemonnaie konsultiert. Das graue Lochmuster? Oder der auberginefarbene?
"Der graue ist ein Chanelstoff," sagt die Frau am Schneidetisch und "reine Wolle. Aber der andere auch". Es soll also reichen für einen Jupe. Das leiste ich mir jetzt.




Kurz vor der Kasse noch die Spitzenkragen. Die Rechnung fällt gnädig aus. Unschlüssig, ob ich nicht doch zuwenig einkaufe, ob mich das dann wieder ärgert - aber jedenfalls bin ich bei Forster-Rohner jetzt in der Kartei und bekomme ein mail vor dem nächsten Ausverkauf. Für ein eventuelles Chanelstöffchen, ein Stück Prada oder etwas Celine.  "Ach, man gönnt sich ja sonst nichts!" (Regieanweisung: seufzend den Handrücken auf die Stirne legen - kann man sich's vorstellen? Lebhaft)