Samstag, 19. Juli 2014

Sommer

Definitiv. Sommer. Heiss sogar - was ja in unseren Breitengraden gar nicht immer selbstverständlich. Und Schulferien: Platz im Zug, freie Parkplätze, Schattenplatz in der Badi.
Schattenseite: Der Bauer mit Heu an Hanglage setzt grad intensivstens den Laubbläser ein, um sein trocken Gras und die Ameislein durcheinander zu wirbeln. Man wünscht ihm ein nächstes Leben als Ameise.


Frühstücken und ausgiebig Zeitung lesen im Garten. Mehr kann man bei 30 Grad da sowieso nicht tun. So einen Platz findet man im Hotel kaum. Der Stuhl mit Mensch und Zeitung wandert dem Schatten nach....







Der Laubbläser hat aufgehört - wunderbare Stille!



Hab mir gedacht, dass ich bei der Hitze sowieso nur drin arbeiten kann. Also ein Kleid fertig gemacht.
Und ein neues angefangen.
Man sollte auch noch den Teewärmer flicken. Jetzt, wo man wieder draussen frühstücken kann, wo jeder Windhauch die Flamme im Stövchen ausbläst und ein solches Teil - aus Erbschaft von meiner Grosstante Alice!- einem gute Dienste leistet, nicht wahr?






Teewärmer - auch so etwas, was vom Aussterben bedroht ist. Respektive nur noch in Brockenhäusern oder bei Haushaltauflösungen zu finden. Dieses spezielle Teil stammt aus Schweizer Strohindustrie; ebendiese Grosstante soll damals im Tessin dafür tätig gewesen sein. Sie hat uns  lauter nette Artikel aus gewobenem Stroh hinterlassen,  wie eben diesen Teewärmer. Aussterbende Spezies, nicht die Tante, die lebt schon lange nicht mehr. nein der Teewärmer; zauberhaft, wird darum von mir mit grossem Arbeitsaufwand alle paar Jahre neu gefüttert. Ist kein Pappenstiel. Stopfmaterial aus Kapok - das gibt's heute glaube ich gar nicht mehr. Im alten Futter Teeflecken von vor vielleicht 100 Jahren. Dannzumal soll die Strohindustrie ein gutes Geschäft gewesen sein, halt solange die Menschen Hüte (und Teewärmer!) brauchten. Heute wird so was vielleicht in Fernost noch hergestellt (von Kindern?). Oder spezialangefertigt für manufactum, unbezahlbar.
Ich freu mich auf mein morgiges Frühstück, mit warmem Tee!



Dienstag, 13. Mai 2014

Ausverkauf bei Forster-Rohner!

So etwas lässt sich natürlich eine Textilverrückte wie ich nicht zweimal sagen. Dort, wo sich der fast letzte Rest der St.Galler Textilbranche nicht mit Ach und Krach, sondern mit Bravour über Wasser hält. Dort wo Prada und Konsorten sonst ihre Stoffe bestellen, da soll ich nun in den Ausverkauf! Schluck - aber natürlich mach ich das.

Fahrt also nach St.Gallen mit Nachwuchs Nr. 2, die das übrig gebliebene Geld zählt, um herauszufinden, wie viel sie den ausgeben kann.

Der Ort empfängt mich erst einmal mit einem Schwall Historie- ich hab halt den Fimmel; Sticker, Weber, , Heim- und Fabrikarbeiter, Ausbeutung und Patrons. Das Haus, in dem meine Grosseltern gewohnt hatten, das Kutscherhaus neben der Villa Wahnsinn, einem gigantischen Teil zuoberst am Rosenberg, gebaut von zwei Textilbrüdern, die beide an eben diesem Bau und an der Wirtschaftskrise zugrunde gingen. Daher der Name! Das ist St. Gallen. Plus noch ein bitzli Kloster und Café Seeger.

Das ist im Fall nur ein Musterblätz


Forster-Rohner befindet sich auf der anderen Seite der Stadt. Nur noch wenige Parkplätze in der Umgebung, kein Wunder. Und jede Menge Frauen. Ebenfalls keines - Wunder, mein ich. Und endlos viele Spitzen. Wir graben uns durch Spitzenkartons. Die Versuchung ist gross. Einkauf von 15 Metern Baumwollspitze für Bettwäsche...



Tische mit Stoffen, zwischen 15 und 400 Franken der Meter. Da werd' ich nicht widerstehen können, aber dafür bin ich ja auch nicht hergekommen. Wenigstens für einen Jupe sollte es langen. Ich lass mir lange Zeit mit aussuchen. Derweil Nachwuchs 2 nochmals das Portemonnaie konsultiert. Das graue Lochmuster? Oder der auberginefarbene?
"Der graue ist ein Chanelstoff," sagt die Frau am Schneidetisch und "reine Wolle. Aber der andere auch". Es soll also reichen für einen Jupe. Das leiste ich mir jetzt.




Kurz vor der Kasse noch die Spitzenkragen. Die Rechnung fällt gnädig aus. Unschlüssig, ob ich nicht doch zuwenig einkaufe, ob mich das dann wieder ärgert - aber jedenfalls bin ich bei Forster-Rohner jetzt in der Kartei und bekomme ein mail vor dem nächsten Ausverkauf. Für ein eventuelles Chanelstöffchen, ein Stück Prada oder etwas Celine.  "Ach, man gönnt sich ja sonst nichts!" (Regieanweisung: seufzend den Handrücken auf die Stirne legen - kann man sich's vorstellen? Lebhaft)

Donnerstag, 1. Mai 2014

Der Sommer kommt

Das letzte Mal, als ich hier in diesen Blog geschrieben habe, kamen wir gerade von den Weihnachtsferien zurück. Jetzt ist Ostern vorbei und die Apfelbäume blühen!
Der März katapultierte mich gnadenlos in den Garten, plötzlich schien alles sehr schnell zu gehen. Und die älteste aller Gärtnerregeln besagt ja, dass das Unkraut in derselben Geschwindigkeit wächst wie Kraut. Man hätte manchmal gerne ein paar Heinzelmännchen oder-weiblein, die das einfach mal kurz erledigen.

Mittlerweile gibt es aber auch wieder Neues aus dem Atelier.

Manchmal hängt man an gewissen T-Shirts. Längst schon abgetragen und nicht einmal mehr lumpentauglich, und trotzdem schafft man es nicht, das eine Tischi wegzuwerfen. Einfach ein zu guter Schnitt. Nun habe ich auf einer Shoppingtour (so sagt man dem doch neuzeitlich?)  Leinenjersey gefunden; nicht teuer und eine wunderbare Sommerfarbe, eine Art hell-blau-grau...










Da fiel es mir plötzlich leicht, das alte Tischi zum Schnittmuster auseinander zu schneiden. Ein Häufchen Elend mit Ambition auf etwas Neues:




Das Kleid soll denselben Ausschnitt haben wie weiland das Leibchen, aber lang sein. Soll tragbar sein im Sommer einfach so, in der Übergangszeit mit Hosen drunter. Soll daher wahrscheinlich lange Ärmel haben - ich bin mir noch nicht so schlüssig....



Da ich es weit schwingend will, werde ich in der Mitte eine Naht machen und die ganze Stoffbreite brauchen. Hoffentlich reicht es noch für die Ärmel....



Es reicht! Auch wenn ich mich  nach Rücksprache mit Nachwuchs Nr.2, Fachgebiet Mode, für lange Ärmel entschieden habe, ganz lange. Sie werden an den Händen aufstehen. Das ist zwar nicht mehr der neueste Schrei, aber schön allemal. Sogar für Taschen  würde es reichen - die aber vermutlich mit diesem feinen Stoff gar nicht gut sind, alles nur ausbeulen und unschön machen. (Ich hab sie am Ende einfach vergessen.)
Ich hab also genäht, hab verzweifelt an der Nähmaschine herumgebastelt. Coverstich! Wenn das nun schon der Ferrari unter den Schweizer Nähmaschinen ist, warum funktioniert es dann nicht einfach auf Anhieb? Ja, ich hab es öfter mal liegen lassen - aber es ist fertig geworden. So fertig, dass ich es schon dreimal anhatte und bereits waschen musste. Von Hand natürlich - so ein Stöffchen. 
Das alte T-Shirt hab ich als Muster behalten, man weiss ja nie!




Und mein Label wird neuerdings so aufgenäht. Das hab ich in England aufgeschnappt.

Sonntag, 5. Januar 2014

Binn, Oberwallis



Im Binntal im Wallis gibt es das zauberhafte, alte Hotel Ofenhorn, das über die Feiertage für Gäste öffnet, weil gleichzeitig die Binner Kulturabende stattfinden. Dort haben wir eine Woche in einem der historischen Zimmer verbracht. Mit eingebauter Badezimmerkiste, für den Komfortwunsch der Heutigen. Im Zimmerpreis ist der Besuch von täglich 2 kulturellen Veranstaltungen inbegriffen. Abende mit Lesungen, Geschichten aus dem Alpenraum, Barockkonzerten und Jazz, Hackbrett und den "unerlösten Seelen, die in den Gletschern wohnen"
http://www.binnkultur.ch/site/images/ProgrammBinnerKulturabende13-14.pdf

Alles inmitten dieses Dorfes am Ende des Binntales, das nur durch einen langen Tunnel erreichbar ist und das vor dessen Bau im Winter wochenlang gar nicht erreichbar war. Die ersten Touristen sind damals mit der Sänfte durch die Schlucht angereist!
Am Tag vor unserer Anreise war es übrigens wegen einer Lawine auch nicht erreichbar. Alltag hier hinten.
Wie der Wolf, der kurz bis ins Dorf hinunter kam. Er ging dann wieder. Richtung Albrunpass.
Hier also ein paar Tage Ferien, obwohl ich wegen einer Knieoperation recht behindert war. An Stöcken durch eine Gegend zu wackeln, wo andere sich vor Allem mit dem Gebrauch ihrer Beine vergnügen: Schneeschuhwanderungen, Skitouren oder ausgedehnte Spaziergänge - es ist nicht nur eine Freude. Auch wenn einen schon durch die Langsamkeit immer mal wieder wunderschöne Motive vor die Linse kommen:

Dreschgerät in der Wintersonne

...und echte Filetspitzen am Pfarrhaus
Ich habe mich auch mit Literatur versorgt und in der Woche im Ofenhorn teetrinkend und auf dem Bett hockend locker 4 Bücher weg gelesen.
Und dann hab ich mich hinter die Wollkiste gemacht. Wenn dann schon nicht nähen, so wenigstens ein Paar Stulpen stricken zu meinen "alten Wanderschuhen" - weil das einfach dazu gehört.
Und hab mich natürlich von den Norwegerpullis einiger Wintergäste im Hotel zu Sternenmustern verleiten lassen.Wo ich doch aus Babypulloverzeiten weiss, dass es eine Krux ist, dass man aus dem Zählen nicht rauskommt und sich, folgerichtig, mindestens dreimal verzählt.


Ist aber eigentlich egal. Da sitzt man auf dem gestreiften Sofa im Zimmer vor einer jener wunderbaren Blumentapeten und strickt an einem Teil, das hier früher auch schon gestrickt wurde. Nur wahrscheinlich nicht so bunt. Strickt nach Ideen, die tief im Hinterkopf von meiner alten Handarbeitslehrerin verstaut wurden: Luise, die ihr ganzes Leben lang im Winter solche Stulpen getragen hat. Weil man dann einfach warme Füsse hat. Was es ja braucht, bei diesen Temperaturen.

Montag, 9. Dezember 2013

Weihnachtsmarkt danach

Ja. Es hat sich gelohnt. Das in der Kälte stehen. Das Vorbereiten. Das Stand-dekorieren und "immer nur lächeln und immer vergnügt...". Es hat sich zweifelsohne gelohnt.
Allerdings ist das Foto von meinem Stand miserabel. Ich hab wohl zuviel an die Finger gefroren dabei. Oder so. Unscharf und langweilig.



Zumal ich erst fotografiert habe, als ich die Hälfte schon verkauft hatte. Jaja, im höchsten Grade unprofessionell!

Aber es hat sich gelohnt! Ich hatte dauernd zu tun. Vergass sogar streckenweise, dass ich an die Finger fror und zog die Handschuhe aus. Vergass, die anderen Kolleginnen auf dem Markt zu besuchen. Obwohl ich ja neugierig gewesen wäre und es ganz bestimmt vorhatte...

Und dann passierte doch tatsächlich, was ich hier in diesem blog schon befürchtet hatte: Kauft jemand ein Leintuch mit Monogramm, auch wenn es nicht die eigenen Initialen sind?

Was denn das zweite für ein Buchstabe wäre? fragte mich die Frau und zeigte auf das alte Leintuch.
"Ein S" sagte ich spontan. Dann schaute ich mir das Tuch noch einmal an und meinte, es könne allerdings auch ein "G" sein... "Ich nehme es, wenn es meine Initialen hat!" Ich war froh, das mit dem "S" so forsch behauptet zu haben. Es hätte wirklich auch ein "G" sein können. Aber sie hiess halt eben Andrea Stadler, oder Anna Sutter, oder Amelie Songe - ein Traum - ich hab sie nicht danach gefragt.


Sie heisst aber mit "S", das weiss ich sicher. Und hat jetzt ein Leintuch auf dem Tisch!

Freitag, 22. November 2013

Am 1. Dezember ist Weihnachtsmarkt

Haja, und so sieht's  bei mir derzeit aus:



Platz für irgendetwas anderes in meinem Atelier hat es kaum mehr. Die zerrissene Arbeitsjeans und das zu lange Nachthemd müssen warten. Alles ist in den Startlöchern für den Weihnachtsmarkt.










Eine ganze Sammlung Chriesisteiseckli, die ich ja neuerdings mit Rapssamen fülle, weil das so wunderbar angenehm ist und genauso gut aufgewärmt werden kann. Um den Hals gelegt, entspannt es einem von aller Unbill des Tages...




Bettwäsche. Wie sie entstanden ist, hab ich hier schon ausführlich beschrieben. Obwohl da noch viele Leintücher zur Verarbeitung herumliegen, ist jetzt erst einmal genug. Ich muss mich auf den Markt konzentrieren.

















Tischwäsche. Vorläufig sind zwei Tischdecken da, es gäbe noch drei weitere zu bearbeiten -
aber eben, siehe oben.










Bis hin zu Piquétüchlein für's Bad und Rohleinenlappen für die Küche.











Lavendelsäcklein aus kleinsten Stücken von alten Leinen- und Baumwollstoffen, das Stück für 13.50. alle fein säuberlich mit dem neuen Logo bezeichnet - was für ein Aufwand!




Das Sommerkleid aus einem Bettdeckenbezug aus Norddeutschland












Das Sommerkleid aus dem alten Unterhemd aus den 20-er Jahren - für eine zarte Frau mit wenig Busen, aber zauberhaft.









Jenes aus Vorhangstoff.













Eine Bluse mit Einsätzen aus Kreuzstichstickerei.












Eine Winterbluse mit Webeinsatz.








Schürzen, Schals, Kissen und vieles mehr. Dazwischen stehen drei Etagèren, ein Puppentorso mit drei verschiedenen Aufsatzkragen und - vier Papierpüppchen, die mir neulich eine alte Dame gebracht hat. Sie hatte Freude an meiner Begeisterung für alte Stoff und brachte mir darauf einmal zwei Leinenschürzen. Jetzt ist sie wieder aufgetaucht mit Bastelmaterial für die Kinder vom Quartiertreff, wo ich Werkstattleiterin bin. Darunter diese vier Anziehpüppchen. Man kennt das: Die Kleider sind mit kleinen Laschen versehen, und so kann man die Figürchen an- und umziehen. Wenn man denn mal endlich alles schön ausgeschnitten hat! Es war jeweils mühselig und Mamis Nagelschere war ziemlich hilfreich. Diejenigen aus meiner Kindheit hatten Petticoats und weit abstehende Kleidchen mit hübschen Kragen, Faltenröcklein und Kniestrümpfe. Das hier ist viel früher entstanden und ein Nachdruck. Aber es wird definitiv meinen Marktstand verzieren!

















Ich freu mich, aber es gibt noch viel zu tun.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Bettwäsche zum Zweiten

Es ist absolut jämmerlich auf einer Tastatur zu tippen, wenn man sich vor dem Abendessen die oberste Spitze des Mittelfingers abgeschnitten hat! Manche Messer sind unheimlich scharf. Und jetzt also noch die heutige Arbeit beschreiben - mit diesem Finger! Ich bin ja selber schuld. Ein weiteres Mal. Ist immer dasselbe...
Also. Bettdeckenbezug. Duvet, sagen wir. Denn zu den Kissen (unten) muss ja eine Decke her. Und das ist eine Möglichkeit, endlich einmal eines jener zahlreichen Leinentücher zu verarbeiten, die schon seit ewigen Zeiten in unseren Schränken liegen. Dieses hat ein speziell schönes Monogramm:


F-H. Frieda Hürlimann. Faustina Haussmann, Franziska Huber, Filippina Henn... Ob das jemand, der zum Beispiel Otto Krummenacher oder Eulalia Kunz heisst, kauft? Ich meine, man könnte sich ja auch einfach nicht betroffen fühlen, wenn man andere Anfangsbuchstaben hat. Trotz der seltenen Schönheit des Monogramms.

Der Stoff ist altes Leinen, leicht ecru -solcher Stoff ist wahrscheinlich nie weiss, jedenfalls wurde er nie gebleicht.
Rückseite des Bezugs: Ein weiteres Leintuch. Verschluss über fünf Bindebänder, die man in Knopflöcher einfädelt. Das Ganze 160 mal 200 cm gross. Und sicher schon sechs bis  Mal sieben gewaschen, damit es auch wirklich sauber ist. Und gebügelt. Fertig lustig!


Ein zauberhaftes Ensemble 

Ich merke schon, ich bin etwas tippfaul. Also lass ich's für heute. Das Bettzeug hab ich wenigstens fertig gemacht.